
Augenblicke der Selbstbesinnung - Das hat es in der historischen Quellenliteratur zum Untergang des dritten Reiches noch nicht gegeben: Gedanken lesen, die einst absichtslos dahergeredet wurden, heimlich abgelauscht und filterfrei wiedergegeben. In Trent Park, einem noblen Landhausidyll, lullte der britische Geheimdienst seine illustren Gefangenen, 63 Generäle und 15 hohe Offiziere ein, wohlumhegt im komfortablen Ambiente eines englischen Herrenclubs - sogar fließend warmes Wasser stand zur Verfügung -, um sie abzuhören. Schon die Spontaneiät der Gespräche allein läßt darauf schließen, daß die Herren mit Wanzen nicht rechneten oder dahingehende Vermutungen ignorierten. Und wer könnte ein Interesse daran gehabt haben, die Tonbandprotolle verfälscht wiederzugeben?So wird am 20.4.1944, Deutschland lag bereits in Trümmern, ein Toast auf den Führer ausgesprochen, zum Bedauern des Generals Crüwell mit englischen Bier. General Ramcke, der noch damit rechnet, vom Führer ein Landgut als Geschenk zu erhalten, berichtet in launigem Casinojargon über seinen Besuch bei Hermann in Karinhall. Das Protokoll verzeichnet allgemeines Gelächter. Anlass zur Sorge gibt die heikle Frage nach der Pensionsberechtigung. Mitunter wird entgangenen Beförderungen und Orden nachgejammert. Ein Oberst seufzt: Ehrgeiz ist eben doch die stärkste Triebfeder des Menschen. Ach furchtbar, furchtbar.Vielleicht ist es gerade die unmittelbare Wirklichkeitsnähe der Gesprächsprotokolle, die sie bisweilen absurd erscheinen läßt, etwa einem Bühnenstück von Thomas Bernhard ähnlich. Doch bei den Themen Kriegsverbrechen, 20. Juli und mögliche Mitarbeitung mit den Alliierten offenbaren sich die verschiedenen Charaktere in dramatischer Weise: Pathologische Verranntheit -nicht hart genug gewesen, nicht barbarisch genug, quälende Gewissenspein, Geständnisse, bohrender Zweifel, Schuldbekenntnisse, auch Selbstverachtung begleiten die allmählich dämmernde Einsicht, entsetzlich gescheitert zu sein.Gut, dass die Protokolle durch den Herausgeber, übrigens ausführlich und umsichtig kommentiert, endlich - wenn auch viel zu spät - ans Licht gezogen wurden. In ähnlich offener Weise haben sich die Herren nach dem Krieg, mit Pensionen wohlversorgt im Trent Park Bundesrepublik, selten bekannt. Die Selbstbesinnung des Individuums ist (eben) nur ein Flackern im Stromkreis des geschichtlichen Lebens (H.G.Gadamer).
Geschichte auf Basis von fragwürdigen Quellen - Nachdem Herr Neitzel es wohl geschafft hat meine kritischen Anmerkungen löschen zu lassen schreibe ich sie eben erneut.Fakt ist, dass die Quellen die Herr Neitzel in diesem Buch benennt lediglich mit Schreibmaschine geschriebene Abschriften der handschriftlichen Protokolle von den Tonbändern sind. Also Kopien der Kopien der Originale.Weder die Tonbänder existieren noch, noch die Original Abschriften. Manipulationen sind Tür und Tor geöffnet.Jeder vernünftige nach der Wahrheit sinnende Mensch sollte allein aufgrund dieser Tatsache !!! sich fragen welchen Wert das Buch und die darin erhobenen Aussagen habe. Die angeblichen Aussagen des Pariser Generals von Choltitz zu seinen Verstrickungen zu angeblichen Judenerschiessungen sind auf Schreibmaschinenblättern zu finden die sich von Stil und Papierqualität deutlich vom Rest unterscheiden....alles klar?!Wenn deutsche Geschichte auf diese Art und Weise gemacht wird, dann glaube ich nichts mehr was uns erzählt wurde und wird !
Eine einmalige Quellensammlung - Eines vorweg: Abgehört ist kein leicht zu lesendes publizistisches Werk. Zwar bietet die sehr ausführliche Einleitung einen gut lesbaren Zugang zur Enstehung der Quellen und vermittelt auch deren Wertung durch den Verfasser. Doch der Hauptteil des Buches besteht aus detaillgetreuen Mitschriften, die vielfach auch Auslassungs-Kennzeichnungen und Fragezeichen bei nicht eindeutig verstandenen Aussagen enthalten. Außerdem ist es sinnvoll, regelmäßig in den Biografien der Abgehörten und in den umfangreichen Fußnoten nachzuschlagen. Gerade letztere bieten umfangreiche Hintergründe zum Kontext der Dialoge zwischen den hohen Militärs.Doch gerade durch diese klare Aufteilung zwischen Komentar, Quellen, Biografien und ergänzenden Bemerkungen ermöglicht es Neitzels Buch in einmaliger Weise, sich selbst ein Bild vom Denken der verantwortlichen Generäle zu machen. Dies ist insbesondere für die Nachkriegsgeneration (zu der ich auch gehöre) eine lohnende Chance! Denn die Zerrissenheit vieler Mitglieder der militärischen Führungselite wird so deutlich erkennbar. Sie waren entsprechend dem Zeitgeist wie Pawlowsche Hunde darauf dressiert, beim Erklingen der Worte Vaterland und Eid das eigene Denken abzuschalten. Andererseits haben viele von ihnen durchaus realistisch und mit Entsetzen das Zeitgeschehen zur Kenntnis genommen und unter persönlichem Risiko versuchten, Verbrechen zu vermeiden.Dabei bleibt natürlich eine Restskepsis, die in der Natur der Quelle liegt: Geheimdienstmaterialien hinterlassen immer Fragen hinsichtlich ihrer Enstehung, liegt doch ihr Zweck häufig eben gerade nicht in der objektiven Darstellung sondern in der Manipulation von Menschen - auch im Inland. Doch sollten angesichts der völlig unspektakulären Inhalte solche Zweifel nicht den Wert dieses Buches zu sehr in Frage stellen. Denn wem sollte es nützen, 60 Jahre nach Kriegsende einen derart aufwändigen Akt der Manipulation zu betreiben. Eine grundsätzliche Infragestellung der Inhalte könnte ihre Ursache nur in einer geschichtsklitternden Grundeinstellung haben: In der längst wiederlegten Anschauung von der Unschuld der gesamten Wehrmacht, die sich schon alleine in der Hitler hörigen Gestalt des obersten Heeresführers Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel ad absurdum führt. Oder aber in einer pauschelen Verurteilung, die ohne jegliche Differezierung aus der Sicht unserer Zeit von vornherein allen Militärs völlig unreflektierte Unterwerfung unter die NS-Ideologie unterstellt. Schließlich muss bei der Wertung auch noch beachtet werden, dass die alleroberste Militärführung nicht in diesen Protollen zu Wort kommt.Insgesamt halte ich das Buch für sehr lesenswert, weil es einen ausgesprochen facettenreichen Einblick in das Denken der militärisch Verantwortlichen und das Denken der Zeit gibt.
Abgehört - neue Quellen und Erkenntnisse - Die große öffentliche Aufmerksamkeit, die Sönke Neitzels neues Buch „Abgehört“ seit seinem Erscheinen erfahren hat, hat ihren guten Grund. Neitzel hat mit seiner Edition einen bislang unbekannten, einzigartigen Quellenbestand erschlossen und zugänglich gemacht, der außerordentlich tiefe und authentische Einblicke in die Gedankenwelt und das Handeln der Truppenführer der deutschen Wehrmacht gewährt. Die Dokumentenedition umfasst 189 Abhörprotokolle aus dem britischen Sonderlager Trent Park. Dort wurden während des Zweiten Weltkriegs hochrangige deutsche Kriegsgefangene, vor allem Generäle und Stabsoffiziere, interniert, um ihre Gespräche systematisch abzuhören und auf diese Weise nachrichtendienstlich verwertbare Informationen zu gewinnen. Die edierten Gesprächsprotokolle waren das Ergebnis dieser Abhöraktion. Die Edition selbst ist eine Auswahl aus dem noch wesentlich umfangreicheren Aktenbestand, der im britischen Nationalarchiv lagert. Die Edition ist in vier Abschnitte gegliedert, die Abhörprotokolle zu den folgenden Themenkomplexen enthalten: allgemeine Reflexionen über den NS-Staat, die Strategie und den Kriegsverlauf, Gespräche über die deutschen Kriegsverbrechen und den Holocaust, Stellungnahmen zum Widerstand gegen Hitler und zum 20. Juli 1944 sowie die Diskussionen über die Kollaboration mit dem Feind. Der Edition ist eine ausführliche, ausgewogene Einleitung vorangestellt. Biographische Skizzen zu den in den Protokollen zu Worte kommenden deutschen Gefangenen sowie ein umfangreicher, profunder Anmerkungsapparat runden die Edition ab. Wie Neitzel in seiner Einleitung überzeugend nachweisen kann, war den deutschen Gefangenen in Trent Park nicht bewusst, dass ihre Gespräche belauscht wurden. Dies geht nicht nur aus dem Gesprächsverhalten der Gefangenen hervor, die sich etwa in den Gesprächen über Kriegsverbrechen nicht selten selbst belasteten. Auch die Selbstzeugnisse einzelner Gefangener, so z. B. das zeitgenössische Tagebuch des Generals Crüwell, belegen, dass die meisten Gefangenen keinen Verdacht schöpften. Die Gespräche unter den Gefangenen waren daher vielfach von einer schonungslosen Offenheit geprägt. Hierin besteht der große Wert dieser einmaligen Quellen. Der unbegründete Verdacht, dass es sich bei den britischen Abhörprotokollen um Fälschungen handelt, wird nur von politisch interessierter Seite gehegt und zeugt von schlichter Unkenntnis der Quellen und ihrer Entstehungsgeschichte. In der seriösen Geschichtswissenschaft bestehen keinerlei Zweifel an der Authentizität dieser Quellen. Die Abhörprotokolle enthalten keine faktographischen Sensationsnachrichten, die es notwendig machen, die Geschichte umzuschreiben. Ihr hoher Quellenwert besteht vielmehr darin, dass sie den Kenntnisstand über das Denken der höheren Wehrmachtsgeneralität erweitern. Die Protokolle spiegeln zum einen die Haltungen der Einzelpersonen wider: etwa ihr Verhältnis zum NS-Staat, ihre Position zu seiner Kriegspolitik, zu den Kriegsverbrechen und dem Judenmord, ihre eigenen Erfahrungen, Motive und Sichtweisen. Zweitens zeugen die Protokolle auch von der Heterogenität der gesamten Gruppe und der Differenziertheit der Haltungen innerhalb der Generalität. Neben der synchronen Momentaufnahme aus der Kriegsgefangenschaft belegen viele Protokolle auch den Wandel dieser Haltungen. Besonders zu erwähnen ist hierbei die Gruppenbildung und die „unterschiedliche Perzeption“ des Krieges innerhalb des Gefangenenlagers, der Neitzel schon in seiner Einleitung zu Recht breiten Raum widmet: Während sich manche Generäle bis zum Kriegsende ihre Loyalität gegenüber dem NS-Staat und ihren Glauben an den „Endsieg“ erhielten, sagten sich andere Truppenführer schon frühzeitig von Hitler und seinem Regime los, nachdem sie den verbrecherischen Charakter seiner Herrschaft erkannt zu haben glaubten. Dass Neitzel diese wertvollen Quellen für die Wissenschaft erschlossen hat, ist ein Verdienst. Seine Quellenedition ist durch die kritische Einleitung und den akribischen Anmerkungsapparat erschöpfend aufbereitet, die edierten Quellen werden die militärgeschichtliche Forschung über die Wehrmacht im NS-Staat bereichern. Darüber hinaus stellen die Protokolle aus Trent Park, die die mitunter erhitzten Debatten im Wortlaut wiedergeben, nicht nur für Geschichtswissenschaftler eine überaus interessante und faszinierende Lektüre dar.
Geschichte auf Basis von fragwürdigen Quellen - Nachdem Herr Neitzel es wohl geschafft hat meine kritischen Anmerkungen löschen zu lassen schreibe ich sie eben erneut.Fakt ist, dass die Quellen die Herr Neitzel in diesem Buch benennt lediglich mit Schreibmaschine geschriebene Abschriften der handschriftlichen Protokolle von den Tonbändern sind. Also Kopien der Kopien der Originale.Weder die Tonbänder existieren noch, noch die Original Abschriften. Manipulationen sind Tür und Tor geöffnet.Jeder vernünftige nach der Wahrheit sinnende Mensch sollte allein aufgrund dieser Tatsache !!! sich fragen welchen Wert das Buch und die darin erhobenen Aussagen habe. Die angeblichen Aussagen des Pariser Generals von Choltitz zu seinen Verstrickungen zu angeblichen Judenerschiessungen sind auf Schreibmaschinenblättern zu finden die sich von Stil und Papierqualität deutlich vom Rest unterscheiden....alles klar?!Wenn deutsche Geschichte auf diese Art und Weise gemacht wird, dann glaube ich nichts mehr was uns erzählt wurde und wird !